Portrait Manuela Strihavka
Manuela Strihavka (Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer)

27. August 2022

Filmstandort Salzburg: Für die Kamera geschaffen

Manuela Strihavka ist seit 2002 Beiratsmitglied und seit 2009 Vorsitzende des Salzburger Filmbeirats. Wir haben sie am 27.07.2022 anlässlich der 20 Jahre Feier der Filmlocation und des Media Summit interviewt.

Vor 20 Jahren wurde das Büro der Filmlocation Salzburg gegründet und die Landesförderung aufgesetzt. Du warst von Anfang an dabei. Wie hat sich der Filmstandort Salzburg entwickelt?

Der Filmstandort Salzburg ist mit dem Red Bull Media House, mit Servus TV, mit dem ORF Landesstudio, vielen kleineren und größeren Produktionsfirmen und auch im Zuge der Fachhochschule gewachsen.

2002, als die Filmlocation gegründet wurde, waren die Projekte noch nicht auf Salzburg zugeschnitten. Im Laufe der Zeit haben sich die Film- und Fernsehprojekte im Zusammenspiel mit der Förderung qualitativ verändert und wurden, was Location, Drehbuch und Verwertbarkeit angeht, besser auf Salzburg und für den internationalen Markt zugeschnitten. Serien-, Krimi-, und Heimatkrimi-Hype belebten auch hierzulande die Filmbranche. Wir haben versucht, Serien, die meist mit größeren deutschsprachigen Sendern realisiert werden, nach Salzburg zu holen, wie zum Beispiel die Toten von Salzburg. Mit dem Ergebnis, dass dort wo gedreht wird, Hotellerie, Personal, Filmpersonal und die passende Infrastruktur gebraucht wird. Das ist letztendlich der gesamtwirtschaftliche Nutzen, auf dem diese Filmförderung beruht.

Film- und Fernsehproduktionen sind in den letzten Jahren also ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region geworden?

Film ist ein wunderbares Zeitdokument, eine Kunstform, aber auch ein Wirtschaftsfaktor, das muss man immer wieder betonen. In Zusammenarbeit mit den Wiener Kolleg:innen der FILM in AUSTRIA haben wir versucht, internationale, große Projekte nach Salzburg zu holen. Nicolas Cage und Robert Downey Junior haben uns hollywoodmäßig besucht. Der Nutzen eines Leuchtturm Projektes wie 2010 Knight and Day wurde nach Bekanntwerden medial sehr kontrovers diskutiert. Wilfried Haslauer war zu dieser Zeit stellvertretender Landeshauptmann. Er hatte damals die Chance erkannt und ein außerordentliches Budget zur Verfügung gestellt. Der Rest ist Salzburger Filmgeschichte. Die ganze Stadt war Bühne, alle haben großartig zusammengearbeitet. In Zahlen gesprochen: von den eingesetzten 300.000 Euro für Knight and Day sind 1,5 Millionen Euro an Wertschöpfung erwirtschaftet worden. Da ist der touristische Wert nicht eingerechnet. In diesem Film waren 20 Minuten Salzburg als Salzburg zu sehen. Cameron Diaz sagt in ihrer Filmrolle den legendären Satz: I‘ve never seen something so beautiful! Das alles war schon sensationell und für uns Erleichterung und Bestätigung zugleich.

Was braucht der Filmstandort in der Zukunft?

Salzburg ist – gemessen an der Wertschöpfung – der zweitwichtigste Medienstandort in Österreich nach Wien. Es wäre toll, wenn das noch ausgebaut werden könnte. Was uns in naher Zukunft fehlen wird, sind professionelle Arbeitskräfte. In den letzten Jahren sind viele Großprojekte abgewandert und die Leute sind mitgewandert. Wenn man durch das neue Fördermodell, das bundesweit im Januar 2023 in Kraft treten soll, die Möglichkeit hat, Produktionen jeglicher Art, für welche Vertriebskanäle auch immer, ins Land zu holen, ist es essenziell, auch professionelle Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.

Wie wirken sich Streaming Anbieter, wie Netflix und Co auf den Standort aus?

Bis dato sind unsere finanziellen Möglichkeiten, was den Filmstandort angeht, leider noch sehr übersichtlich. Wenn mit Anfang des Jahres 2023 das neue Fördermodell des Bundes österreichweit in Kraft tritt, das weitsichtig denkt, reichen vielleicht internationale Produktionen bei uns Projekte ein. Ich denke, dass Salzburg durchaus davon profitieren kann, weil es für die Kamera geschaffen ist. Ich habe die Vision und den Wunsch, dass man solchen Produktionen die Möglichkeit gibt, bei uns anzuklopfen, indem man Ausbildung und finanzielle Ausstattung verbessert. Damit etwas ins Rollen kommt, was dann auch wieder positive Auswirkungen auf den Filmstandort in Salzburg hat.

Was würdest du jungen oder alten Filmschaffenden raten?

Ich persönlich finde ich es wichtig, dass man auch beruflich etwas macht, was mit einem selbst zu tun hat. Natürlich ist es dabei die theoretische Ausbildung und das Erlernen der Skills, also „Hands on“ das Handwerk zu lernen wichtig. Visionen zu haben, aber dabei geerdet zu sein, im tagtäglichen Betrieb einer Filmproduktion, eines Sender-umfelds, das kann man raten. Und mutig zu sein. Denn grandiose Ideen sind am Ende nur so gut wie ihre Umsetzung.

Was macht die Arbeit mit und beim Film aus?

Jede und jeder im Team ist wichtig. Ehrlicher, gegenseitiger Respekt im besten Falle, das ist auch etwas ganz Wichtiges, was ich jungen Leuten mitgeben kann. In guter Grundstimmung ist man produktiver. Wir sollten uns alle etwas entspannen und in der Beziehung zu anderen und im Spiegel der Endlichkeit anschauen. Aber da schweife ich jetzt ab. Das ist ja ein Zug unserer Zeit, höher, besser, weiter; ich denke, dass es oft die einfachen Wege sind, mit denen man höher, besser, weiter, kommt und vor allem tiefer – im Denken, im Fühlen und im Tun.

Zur Filmförderung Salzburg

Das Ziel der Filmförderung Salzburg ist die Förderung der kulturellen und filmwirtschaftlichen Entwicklung Salzburgs und die Förderung von Film – und Fernsehproduktionen, die auch die Wirtschaft in Salzburg fördern. Sie richtet sich an nationale und internationale Filmproduzent:innen und Drehbuchautor:innen, die eine Film- oder TV-Produktion im Land Salzburg durchführen wollen. Sie ist an kein Genre gebunden. Voraussetzung ist, dass die Produktion sowohl die Wirtschaft und insbesondere die Filmbranche mit gesteigerten Beschäftigungsmöglichkeiten in Salzburg stärkt (Salzburg-Effekt und Salzburger Filmbranchen-Effekt). Außerdem muss der Film international verwertbar sein, also zum Beispiel Filme, die für den gesamten deutschen Markt produziert werden oder die international vertrieben werden.

Am 1. Jänner 2023 tritt ein neues Fördersystem in Kraft, bei dem bis zu 35 Prozent der in Österreich investierten Mittel refundiert werden – für internationale Filme, TV- und Streamingprojekte ebenso wie für heimische Vorhaben. Verbunden damit ist ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von 30 Prozent für in Österreich realisierte Projekte. Werden zudem ökologische Kriterien erfüllt, steigt die Förderung um weitere fünf Prozent. Einen Bonus von 25.000 Euro gibt es zudem für Projekte mit hohem Frauenanteil. Das System ist im Gegensatz zu den bisherigen Konstruktionen nicht gedeckelt, um das Ausschöpfen von Fördertöpfen im Laufe eines Jahres zu verhindern.

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