Film/ Die beste aller Welten
Foto: filmperlen

14. Juli 2020

„Liefering ist für mich inspirierender als jeder Bobo-Bezirk in Wien“

Der durch seinen erfolgreichen Debütfilm „Die Beste aller Welten“ bekannt gewordene Filmemacher Adrian Goiginger hat mit uns im Interview über den Standort Salzburg als seine erste Wahl als Filmlocation gesprochen.

Als Salzburgerin und Salzburger kennt man seinen Film „Die Beste aller Welten“ als einen, der eine andere Seite der Stadt, ein ehrliches, ungeschöntes Salzburg zeigt – fernab der viel bewanderten Touristenpfade. Es geht um einen kleinen Jungen, der im Drogenmilieu aufwächst, dennoch dank seiner fürsorglichen Mutter eine schöne Kindheit erlebt. Nicht verwunderlich also, dass sich der Salzburger Regisseur Adrian Goiginger als Lokalpatriot bezeichnet. Im Gespräch wägt er Vor- und Nachteile der regionalen Förderlandschaft ab.

Salzburg: ein florierender Ort für Filmproduktionen?

Salzburg hat viele Vorteile für Filmemacherinnen und Filmemacher, die Hauptkonzentration der österreichischen Filmschaffenden ist aber in Wien. Alle anderen Bundesländer müssen versuchen mitzuhalten. Salzburg macht das schon ganz gut, allen voran mit der Fachhochschule, die auch spannende Absolventinnen und Absolventen hervorbringt. Das ist ein klarer Vorteil. Die Filmlocation von Innovation Salzburg unterstützt zusätzlich vor und nach der Produktion mit Beratungen zu Förderungen und anderen Anliegen. Ein anderer klarer Vorteil ist in den letzten Jahren Servus TV geworden. Mit ihnen produzieren wir aktuell wieder, sie suchen vor allem Salzburger Geschichten, das ist super. Wir hoffen, dass da auch in Zukunft viel entstehen kann. Salzburg hat zwar niedrigere Filmförderungen als Wien oder Südtirol, allerdings hat Salzburg eine gute Nachwuchsförderung mit kleineren Fördertöpfen. Meine erste Produktion als 18-Jähriger habe ich damit finanzieren können. Und in dem Alter willst du nicht Gewinn machen, sondern Arbeitserfahrung sammeln.

Wie wichtig sind staatliche Förderungen für die heimische Filmbranche?

Ohne geht’s nicht. In ganz Europa gäbe es ohne Förderungen keine Filmproduktionen. Nach der Höhe und der Zugänglichkeit der Förderung richten sich auch die Produktionsstandards. Südtirol hat beispielsweise ein hohes Budget für Filmförderungen und dazu außerdem eine wahnsinnig schöne Natur. Auch Tschechien und Ungarn nehmen gerade Geld in die Hand, um ihre Filmwirtschaft zu unterstützen. Wenn morgen die Förderung in Salzburg fünfmal so hoch wäre, gäbe es noch mehr Produktionen.

Wäre es eine Unterstützung, wenn mehr österreichische Kinos mehr österreichische Filme zeigen würden?

Natürlich! Das ist das Um und Auf. Es gibt nicht so wenig von denen, die heimische Filme spielen, aber es könnten noch viel mehr sein! „Das Kino“ sieht sich in Salzburg ja als Kultureinrichtung und hat dabei einen Kulturauftrag. „Die Beste aller Welten“ hätte es sonst schwerer gehabt, wenn es solche Institutionen nicht gäbe. Ich freue mich über jedes österreichische Kino, das einen österreichischen Film spielt. Gerade in kleineren Orten, wo es nur ein kleines Kino gibt! In Salzburg, Wien und in größeren Städten hat man zumindest eine bessere Auswahl.

Als Drehort ist Salzburg auch international noch immer sehr gefragt?

Nach wie vor, ja. Salzburg kennt jeder als Stadt. Gerade in Amerika ist „The Sound of Music“ einer der erfolgreichsten Filme der 60er gewesen, den kennt wirklich jeder. Das ist die erste Assoziation, die sie haben. Als ich mit „Die Beste aller Welten“ bei der Amerika-Premiere in Indianapolis war, waren alle ganz erstaunt, dass es im schönen Salzburg auch Drogen gibt (lacht). Alle sehen Salzburgerinnen und Salzburger nur in Trachten herumlaufen! Das ist schon witzig. Es hat ihnen aber auch getaugt, einmal eine andere Seite von Salzburg zu sehen. Man darf keine Angst davor haben, das zu zeigen. Das schreckt nicht ab, dadurch verliert Salzburg seinen guten Ruf als Filmlocation nicht. Ich glaube, Salzburg wird immer ein beliebter Drehort bleiben. Für meinen nächsten Film, der in den 20-er Jahren in Salzburg spielt, suche ich auch nach Drehorten im Umland.

Wie gestaltet sich die Suche bis jetzt?

Es ist etwas schwierig, weil sich im Pinzgau, wo die Geschichte spielt, in den letzten 100 Jahren sehr viel verändert hat. Wir sind für die Suche nach Locations jedenfalls in enger Abstimmung mit Filmlocation der Innovation Salzburg GmbH. Gemeinsam mit Kameramann und Szenenbildner besichtigen wir Orte, allerdings nicht nur in Salzburg, sondern auch in Südtirol und Deutschland.

Mit Ihrem Spielfilm „Die Beste aller Welten“ haben Sie weltweit Erfolge gefeiert, trotzdem ist Ihre Produktionsfirma 2010 Entertainment noch in Salzburg. Gibt es hier genug Inspiration für Sie?

Absolut. Ich bin keiner, der unbedingt in einer Großstadt wohnen muss. Auch wenn mich viele ansprechen und fragen, warum ich nicht nach Wien ziehe. Es hat einen Grund, warum ich immer noch in Salzburg wohne. Ich bin in Liefering aufgewachsen, ich fühle mich dort wohler und es ist für mich authentischer, als in irgendeinem Bobo-Bezirk in Wien. Ich bin auch leidenschaftlicher Sportler, bin gerne auf den Bergen unterwegs, im Sommer und im Winter. Ob Radfahren, Skifahren, Schwimmen, das bekomme ich alles in Salzburg.

Ihr Kontakt zur Filmlocation

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