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Innovationsexpertin Romana Schwab im Interview. (Foto: Innovation Salzburg)

3. Oktober 2022

Warum der Europäische Green Deal auch KMU betrifft

Die EU schafft mit dem Green Deal politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, um die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig umzubauen. Was bedeutet das für Unternehmen, insbesondere KMU? Unsere Expertin Romana Schwab klärt im Interview auf.

Was ist der Green Deal?

Die EU hat mit dem Green Deal den Rahmen gesteckt, um die Wirtschaft nachhaltig umzubauen. Die Grundlage für den Umbau sind die 17 Sustainable Development Goals (SDG-Ziele) der Vereinten Nationen. Das sind Ziele im Bereich Umweltschutz, Armutsbekämpfung und sozialer Gerechtigkeit. Die EU möchte mit dem Green Deal die Wirtschaft also nicht nur nachhaltiger in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch in Bezug auf soziale Aspekte gestalten. Dieser Umbau ist in vollem Gange – das bedeutet, dass auch Unternehmen handeln müssen.

Was erwartet Unternehmen mit dem Green Deal? 

Die Ziele des Green Deal werden von den EU-Mitgliedstaaten in politische und rechtliche Rahmenbedingungen gegossen, die den Umbau der Wirtschaft vorantreiben. Das EU-Lieferkettengesetz zum Beispiel verpflichtet Unternehmen, Menschenrechte und Umweltstandards in ihrer gesamten Wertschöpfungskette einzuhalten. Die Mitgliedsstaaten müssen die Richtlinie bis 2026 in nationales Recht umsetzen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind zwar nicht direkt von dem Gesetz betroffen, aber indirekt z. B. als Zulieferer von größeren, betroffenen Unternehmen.

Außerdem wird die Berichtspflicht über Nachhaltigkeitsaspekte für Unternehmen ausgeweitet. Das bedeutet, dass ab dem Jahr 2025 Firmen mit über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darüber Auskunft geben müssen, wie sie die 17 SDG-Ziele einhalten, also wie sie zum Beispiel Korruption und Bestechung bekämpfen oder die Menschenrechte achten.

Was versteht man unter der EU-Taxonomie-Verordnung?

Die Taxonomie-Verordnung ist auch zentraler Bestandteil des Green Deals – Teile davon gelten bereits seit 1. Jänner 2022. Sie ist Bestandteil des „Aktionsplans zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum“ und soll Kapitalflüsse in ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten lenken. Klima- und Umweltschutz wird zu einem Kriterium des Risikomanagements in der Finanzwirtschaft. Das bedeutet, dass zum Beispiel bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen Nachhaltigkeitskriterien in Zukunft stärker eine Rolle spielen. Klimaschädliche Investitionen sollen so erschwert werden.

Was bedeuten diese Regelungen für KMU?

Diese Gesetze betreffen nicht nur große Konzerne, sondern auch KMU. Das bedeutet, dass Unternehmen in Zukunft nicht mehr nur aus intrinsischer Motivation nachhaltig agieren können. Es ist kein Wollen oder Sollen, sondern ein Müssen. Und je eher Unternehmen Schritte setzen, um nachhaltiger zu werden, umso besser. Denn daraus können sich langfristig Wettbewerbsvorteile ergeben. Unternehmen sind dann für den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft gerüstet. Sie sind für Kund:innen und Lieferant:innen, die ihre Lieferkette nachhaltig umbauen, attraktiver. Und sie können für ihre Investments in nachhaltige Projekte Finanzspritzen bekommen.

Es gibt in Bezug auf Nachhaltigkeit viele Maßnahmen, die man setzen kann. Wie können Unternehmen die für sie passenden finden?

Ich empfehle: einfach anfangen! Es gibt viele Möglichkeiten: Energiesparen zum Beispiel durch Wärmerückgewinnung oder durch die Sanierung des Firmengebäudes, Umstieg auf Ökostrom, Umstieg auf regionale, nachhaltige Lieferant:innen oder Produkte. Da gibt es viel Potenzial, wo man ansetzen kann. Die WKO bietet Checklisten zu den Themen Energie, Mobilität, Geräte und Produktionsprozesse. Sie geben gute Tipps, welche Maßnahmen Unternehmen setzen können.

Wie können Unternehmen solche Maßnahmen finanzieren?

Es gibt mittlerweile zahlreiche Förderangebote vom Bund und vom Land Salzburg, nicht nur im Bereich des Umweltschutzes, sondern auch für soziale Maßnahmen oder für Forschung und Entwicklung im Bereich der nachhaltigen Innovationen. Um die passende Förderung für Unternehmen zu finden, können sie sich an unsere Förderexpert:innen wenden.

Wo können sich Unternehmen hinwenden?

Unternehmen können sich an die Abteilung Umweltrecht der Wirtschaftskammer Salzburg oder das umwelt service Salzburg (uss) wenden. Das uss unterstützt mit Beratungen zu Energie, Mobilität, Abfall, Ressourcen und Umwelt.

Gerne können sie sich auch an uns wenden, um Ihr Vorhaben zu besprechen. Wir sind Erstanlaufstelle und haben einen guten Überblick über Ansprechpartner:innen, wenn sie Beratungen brauchen oder Expert:innen, die ihnen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten helfen. Wir beraten außerdem zu Förderungen und helfen bei der Einreichung.

Ihr Kontakt für Innovationen & Förderungen

Mitarbeiter_innenfotos Innovation Salzburg

Mag. Romana Schwab

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