
In Österreich ist jeder Zweite übergewichtig. Schwere Folgen können Diabetes oder Krebs sein, aber auch Herzkreislauferkrankungen, die mit zwei Dritteln aller Sterbefälle in Österreich nach wie vor die häufigste Todesursache darstellen. „Das Hauptproblem ist die körperliche Inaktivität. Sie kostet im Grunde genauso viele Menschenleben wie das Rauchen“, erklärt Professor Josef Niebauer, Leiter des LBI für Digital Health in Salzburg. Seit Mai baut der Wissenschafter mit seinem siebenköpfigen Team das Institut auf. Für die Projektlaufzeit von sieben Jahren hat sich der Forscher einiges an Pionierarbeit vorgenommen.
Dafür steht ihm ein jährliches Budget von 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, wovon 60 Prozent die Ludwig Boltzmann Gesellschaft finanziert und 40 Prozent durch die Kofinanzierung der Partnerinstitutionen mit Unterstützung des Landes Salzburg gestellt werden. Zu den Forschungspartnern gehören das Universitäts- und Landesklinikum SALK, die Salzburg Research Forschungsgesellschaft, Fachhochschule Salzburg, das Austrian Institute of Technology und die Paris Lodron Universität Salzburg.
Digitale Gesundheit im Wandel
Am LBI will man zukünftig herausfinden, wie Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten mittels digitaler Technologien unterstützt werden können, einen gesünderen Lebensstil zu pflegen. Basierend auf enormen Datenmengen werden Auslöser ermittelt, die eine Probandin oder einen Probanden daran hindern, gute Vorsätze umzusetzen. Diese Verhaltensmuster sind der Grundstein für weitere Prognosen zu möglichen individuellen Lösungen und zur Vorsorge. „Wenn ein gestresster Büromitarbeiter nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag immer wieder zur Bierflasche greift, ist das ein Muster, das aufgelöst werden kann, indem man sich ansieht, welcher Auslöser ihn davon abhält. Zum Beispiel kann das ein Anruf der Tochter sein, die am Abend eine Runde spazieren gehen möchte“, so der Forscher. Jahrelang angelernte schlechte Ernährungs- oder Bewegungsgewohnheiten könnten so schon durch subtile Anstöße und Hinweise verbessert werden.
Open Innovation
Allerdings gilt, je länger jemand einen ungesunden Lebensstil pflegt, desto schwieriger ist die Umstellung. „Es geht um eine grundlegende Verhaltensänderung. Je früher man jemanden auf Kurs bringt, desto besser.“ Im ersten Schritt werden erstmal nur Hochrisikopatienten untersucht. Die Anwendungen oder Produkte, die aus den Erkenntnissen entstehen, sollen dann aber auch für gesunde Menschen interessant sein. „Nachdem wir den Mikrokosmos, das kleine Modell, beherrschen, ist auch die Breite wichtig. Unser Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die alle bei einem gesunden Lebensstil unterstützen“, so der Wissenschaftler. In der Praxis könnten zum Beispiel Smart Textiles mit integriertem EKG helfen. „Dieser Bereich birgt enormes Potenzial, hier würde ich sehr gerne mit externen Spezialisten zusammenarbeiten.“ Obwohl im LBI vor allem regionale Kooperationen und Partnerschaften interdisziplinäres Know-how generieren, sollen in Zukunft auch internationale Expertinnen und Experten, Institute und Unternehmen mitforschen. Das LBI verfolgt einen offenen Ansatz und wird nach den Prinzipien von Open Innovation geführt. So offen der Ansatz des LBI ist, so vielseitig werden sich in den nächsten Jahren wohl neue digitale Technologien entwickeln, die in die Arbeit der Forscherinnen und Forscher einfließen werden. Auch in dieser Hinsicht bewegt sich die Forschung des LBI am Puls der digitalen Zeit.
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