Gruppenfoto Technology Talks Austria 2026: Panel Hospital@Home
von links: Franz Feichtner, Katharina Reich, Gregory Fretz, Daniela Gutschi, Thomas Gamsjäger, Köksal Baltaci, Foto: Katharina Schiffl

11. September 2026

Hospital@Home: Wie Krankenhausversorgung zu Hause funktionieren kann

Patient:innen zu Hause auf Spitalsniveau versorgen: Hospital@Home kann Krankenhäuser entlasten und eine Versorgung in gewohnter Umgebung ermöglichen. Welche Chancen bietet das Modell – und was braucht es für die Umsetzung in Österreich? Darüber diskutierten Expert:innen bei den Technology Talks Austria 2026.

Hospital@Home ist nicht als Ersatz für das Krankenhaus gedacht, sondern als Ergänzung für geeignete Patient:innen. Sie werden zu Hause auf Spitalsniveau versorgt, unterstützt etwa durch Telemedizin, Telemonitoring und Sensorik. Eine zentrale Zahl aus der Diskussion: Rund 10 Prozent der Patient:innen könnten nach Einschätzung der Expert:innen bereits heute auf diese Weise behandelt werden. Perspektivisch könnten es sogar 20 bis 25 Prozent sein. Entscheidend ist dabei nicht nur der medizinische Zustand: Auch psychosoziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle.

Landesrätin Daniela Gutschi bringt es auf den Punkt: „Niemand ist gerne im Krankenhaus. Mit Hospital@Home können Patientinnen und Patienten daheim auf Spitalsniveau versorgt werden. Sie erholen sich im vertrauten Umfeld und behalten ihren Alltag. Jetzt brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen, damit aus Projekten Regelversorgung wird.“

Die wichtigsten Learnings aus der Diskussion

Hospital@Home bietet großes Potenzial – gleichzeitig wurde im Workshop deutlich, wo für eine Umsetzung in Österreich noch Handlungsbedarf besteht:

  • Finanzierung und Haftung klären: Wer finanziert die Versorgung zu Hause und wer trägt die Verantwortung, wenn etwas passiert?
  • Personal und Zusammenarbeit mitdenken: Hospital@Home benötigt zusätzliche personelle Ressourcen. Spitalsärzt:innen, Grundversorgung, Pflegeorganisationen, Krankenkassen, Politik und Fachgesellschaften müssen eng zusammenarbeiten.
  • Patient:innen mitnehmen: Kommunikation und Gesundheitskompetenz sind entscheidend. Patient:innen müssen das Modell kennen, verstehen und ihm vertrauen.
  • Gesundheitssystem entlasten: Hospital@Home kann Akutbetten entlasten, bessere Behandlungsergebnisse ermöglichen und neue Arbeitsmodelle eröffnen.
  • Ein wichtiger Puzzlestein: Hospital@Home wurde in der Diskussion als wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems eingeordnet. Dabei wurde ein mögliches Einsparungspotenzial von 10 bis 20 Prozent im Gesundheitssystem genannt.

Was Österreich von der Schweiz lernen kann

Wie Hospital@Home in der Praxis funktionieren kann, zeigte Gregory Fretz anhand der Erfahrungen aus Chur in der Schweiz. Ein wichtiges Learning daraus: Kommunikation spielt eine zentrale Rolle für die Akzeptanz. Nachdem die Krankenkasse das Modell beworben hatte, wollten Patient:innen das Angebot nutzen.

Das Beispiel zeigt auch, warum Pilotprojekte wichtig sind: Sie können die Vorteile des Modells sichtbar machen und zeigen, welche medizinischen, organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Umsetzung notwendig sind.

Salzburg als mögliche Modellregion

Ein für den Standort besonders relevantes Ergebnis der Diskussion: Salzburg hat sich als potenzielle Modellregion für ein Hospital@Home-Pilotprojekt positioniert. Ein solches Pilotprojekt könnte erproben, wie das Zusammenspiel von Krankenanstalten, niedergelassener Versorgung, Pflege, Technologie, Forschung und weiteren beteiligten Akteur:innen in der Praxis funktioniert – und welche Voraussetzungen es braucht, damit aus einzelnen Projekten langfristig Regelversorgung werden kann.

Expert:innen aus Gesundheit, Forschung und Politik im Austausch

Den Workshop „Hospital@Home: Wenn das Krankenhaus zum Patienten kommt“ veranstaltete Innovation Salzburg gemeinsam mit Salzburg Research und dem Austrian Institute of Technology (AIT) am 10. September 2026 im Rahmen der Technology Talks Austria im MuseumsQuartier Wien.

Auf dem Podium diskutierten Katharina Reich, Sektionschefin der Sektion VII – Öffentliche Gesundheit beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Landesrätin Daniela Gutschi, Gregory Fretz, Leitender Arzt und Projektleiter Hospital@Home am Klinikum Chur/Kantonsspital Graubünden, Thomas Gamsjäger, Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken, und Franz Feichtner, Direktor Health bei JOANNEUM RESEARCH. Moderiert wurde die Diskussion von Köksal Baltaci von „Die Presse“.

Ihr Kontakt für Life Sciences

Gruber

Dr. Michael Gruber

FTI-Standortentwicklung, Life Sciences

+43 5 7599 722 56
michael.gruber@innovation-salzburg.at

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