
Ein besonderer Programmbestandteil war heuer Verschränkung mit der Startup- und Investmentkonferenz SALT’N’VENTURE. Dadurch wurden die vier Fachpanels mit Startup-Pitches kombiniert und machten sichtbar, welche Rolle Innovation für die wirtschaftliche Zukunft von Regionen spielt.
Landeshauptfrau Karoline Edtstadler sowie die Veranstalter Alexander Kribus (Messe Salzburg) und Walter Haas (Innovation Salzburg) eröffneten die Veranstaltung und betonten die Bedeutung von Innovation, Zusammenarbeit und starken Netzwerken für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts.
Künstliche Intelligenz als strategische Infrastruktur
Den inhaltlichen Auftakt setzte die Keynote von Christoph Unterreiner (NVIDIA) zu aktuellen Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz. Dabei wurde deutlich, dass sich KI zunehmend zu einer zentralen Infrastruktur für Unternehmen entwickelt.
Viele Organisationen stehen jedoch noch vor grundlegenden Herausforderungen. KI-Projekte sind häufig organisatorisch falsch verankert – etwa wenn Entscheidungen ausschließlich über den Einkauf laufen und als IT-Beschaffung statt als strategisches Thema behandelt werden. Gleichzeitig fehlt oft eine klare Verantwortung auf Managementebene.
Ein weiteres Hindernis sind Daten- und Organisationssilos. Daten liegen in verschiedenen Abteilungen oder Systemen und können nicht effizient zusammengeführt werden. Dadurch bleibt das Potenzial von KI-Anwendungen häufig ungenutzt.
NVIDIA arbeitet daher nicht nur an leistungsstarken GPUs, sondern auch an umfassenden Plattformlösungen für KI-Training, Simulation, Robotik und industrielle Anwendungen. Ziel ist es, Unternehmen die Infrastruktur bereitzustellen, um KI-Systeme im großen Maßstab zu entwickeln und produktiv einzusetzen.
Das Fazit der Keynote: KI entfaltet ihren Nutzen vor allem dann, wenn sie strategisch im Unternehmen verankert ist, mit klarer Verantwortung, einer durchdachten Datenstrategie und geeigneter Infrastruktur.
Vier Tracks: Fachpanels und Startup-Pitches
In den vier thematischen Tracks Next Industrial Systems, Tech4Green, Secure & Resilient Systems und Human Tech diskutierten Expert:innen aus Industrie, Forschung und Startup-Szene aktuelle Entwicklungen. Anschließend pitchten jeweils fünf Startups ihre Lösungen und stellten sich den Fragen der Panelmitglieder.
Next Industrial Systems
Im Panel Next Industrial Systems ging es um die Rolle von KI und Daten in der Industrie. Beispiele reichten von automatisierter Verarbeitung von Sales-Anfragen bis zu KI-gestützter Materialforschung oder Energieoptimierung in der Produktion.
Die Diskussion zeigte, dass Technologie allein nicht ausreicht. Erfolgreiche Innovation erfordert auch passende Organisation, Kompetenzen und Unternehmenskultur, die Experimente und schnelles Lernen ermöglicht. Gleichzeitig wurde betont, dass Europa besonders stark in industriellen Nischen und Deep-Tech-Kompetenzen ist. Entscheidend sei nun, Forschung schneller in industrielle Anwendungen zu übersetzen und stärker mit Startups zu kooperieren.
Tech4Green
Der Track Tech4Green beschäftigte sich mit nachhaltigen Technologien und der Transformation von Industrie und Gebäuden. Ein Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen ist die Kooperation zwischen dem Startup EnerCube und dem Immobilienunternehmen Vonovia. Enercube entwickelt modulare Heizraumlösungen, mit denen fossile Heizsysteme in Mehrparteienhäusern innerhalb weniger Tage durch Wärmepumpen ersetzt werden können.
Auch aus der Industrie gab es Einblicke in aktuelle Transformationsprojekte. Stahlwerk Annahütte-Werksleiter Andre van Bennekom berichtete von Initiativen rund um Wasserstofftechnologien und eigene Energieproduktion am Standort. Gleichzeitig wurde deutlich, dass lange Genehmigungsverfahren – etwa beim Ausbau von Photovoltaik – Innovation häufig bremsen.
Das Fazit: Technologische Lösungen sind vorhanden. Entscheidend sind nun Investitionen, Kooperationen und schnellere Rahmenbedingungen für die Umsetzung.
Secure & Resilient Systems
Im Panel Secure & Resilient Systems diskutierten Expert:innen über die zunehmende Professionalisierung von Cyberangriffen und die Bedeutung digitaler Resilienz.
Cyberkriminalität sei heute stark kommerzialisiert, während viele Unternehmen Risiken noch unterschätzen – insbesondere entlang komplexer Lieferketten. Gleichzeitig werde IT-Sicherheit oft als Kostenstelle statt als strategischer Faktor für Handlungsfähigkeit gesehen.
Als zentrale Handlungsempfehlungen nannten die Panelteilnehmer:innen eine Analyse kritischer Systeme und Abhängigkeiten, mehr Security-by-Design in Technologien sowie eine bewusstere Auswahl von IT- und Cloud-Anbietern. Ziel müsse sein, Organisationen so aufzustellen, dass sie auch im Krisenfall handlungsfähig bleiben.
Human Tech
Der Track Human Tech wurde von Colin McGuckin (CTIBIOTECH) eröffnet. Er präsentierte neue biotechnologische Ansätze, bei denen menschliche Gewebeproben für Forschung, Medikamentenentwicklung und Produkttests genutzt werden.
Viele Projekte in der regenerativen Medizin scheitern heute weniger an der Wissenschaft als an der wirtschaftlichen Umsetzung. Besonders personalisierte Zelltherapien sind zwar vielversprechend, aber häufig extrem aufwendig und schwer skalierbar. CTIBIOTECH verfolgt daher einen anderen Ansatz: Gewebe, das beispielsweise bei Operationen anfällt, wird gesammelt und für die Entwicklung neuer Therapien oder Tests genutzt. Solche realitätsnahen Gewebemodelle können Forschung beschleunigen und Innovation wirtschaftlich besser skalierbar machen.
Im anschließenden Panel diskutierten Expert:innen über Erfolgsfaktoren im MedTech-Bereich. Neben technologischer Exzellenz seien vor allem ein engagiertes Team, kontinuierliches Marktfeedback und eine klare IP-Strategie entscheidend. Zudem müssen regulatorische Anforderungen früh berücksichtigt werden.
Fazit: Technologie ist da – Umsetzung wird entscheidend
Über alle Tracks hinweg zeigte sich ein ähnliches Bild: Die technologischen Lösungen für viele aktuelle Herausforderungen sind bereits vorhanden. Ob Künstliche Intelligenz in der Industrie, nachhaltige Energielösungen, resiliente digitale Infrastrukturen oder neue Ansätze in der Biotechnologie – Innovation entsteht heute an der Schnittstelle von Forschung, Startups und etablierten Unternehmen. Gleichzeitig bleiben zentrale Herausforderungen bestehen: organisatorische Silos, komplexe regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel oder langsame Genehmigungsprozesse. Der Schlüssel liegt daher zunehmend in Zusammenarbeit, strategischer Verankerung von Innovation und schnelleren Rahmenbedingungen für Umsetzung und Skalierung. Veranstaltungen wie SALZ tragen dazu bei, Innovation sichtbar zu machen, Akteur:innen zu vernetzen und das regionale Innovationsökosystem weiter zu stärken.
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